Rechtliches

Mietrechtsreform 2026: Was die neue Miete II für Vermieter bedeutet

• Aktualisiert am • 9 Min. Lesezeit
Mietrechtsreform 2026 Miete II für Vermieter

Das Bundeskabinett hat am 29. April 2026 den Gesetzentwurf zur Änderung des Wohn- und Geschäftsraummietrechts beschlossen. In den Medien läuft das Paket unter dem Stichwort Miete II. Fünf Bereiche werden neu geregelt: Indexmieten, Möblierungszuschlag, Kurzzeitmietverträge, Schonfristzahlung und Modernisierungsumlage. Hier liest Du, was auf Dich als Vermieter zukommt und wo Du bereits jetzt aktiv werden solltest.

Die Ausgangslage: Mietpreisbremse bis 2029 verlängert

Bevor wir auf die neue Reform schauen, ein kurzer Blick zurück. Der Bundesrat hat am 11. Juli 2025 die Verlängerung der Mietpreisbremse bis zum 31. Dezember 2029 gebilligt. Damit gilt weiterhin: In ausgewiesenen Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt darf die Miete bei Neuvermietung höchstens 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen.

Die jetzt vorgelegte Miete II baut auf dieser Grundlage auf. Ziel der Bundesregierung ist, weitere Lücken zu schließen, durch die in den letzten Jahren faktisch höhere Mieten verlangt wurden, etwa über Indexmieten oder möblierte Kurzzeitvermietungen.

Was unverändert gilt: Ausnahmen, Kappungsgrenze und Form

Rund um das Mietrecht 2025 kursierten einige falsche Zahlen, etwa eine angeblich abgesenkte Kappungsgrenze oder Kündigungen per E-Mail. Diese Regeln gelten heute tatsächlich und werden von der Miete II nicht angetastet:

Die fünf zentralen Änderungen im Überblick

Der Gesetzentwurf greift gezielt in fünf Bereiche ein. Drei davon engen den Spielraum bei der Mietgestaltung ein, einer verschiebt die Balance bei Kündigungen und der fünfte ist tatsächlich vermieterfreundlich.

Die Details zu jedem Punkt findest Du im Folgenden.

1. Indexmieten werden gedeckelt

Indexmieten sind in den letzten zwei Jahren stark in die Kritik geraten. Wer 2022 oder 2023 einen indexierten Mietvertrag abgeschlossen hat, sah sich plötzlich mit Erhöhungen konfrontiert, die deutlich über dem lagen, was bei einer Vergleichsmietenanpassung möglich gewesen wäre. Genau hier setzt die Reform an.

Was sich konkret ändert

Steigt der Verbraucherpreisindex innerhalb eines Jahres um mehr als 3 Prozent, bleibt die Hälfte des Teils oberhalb dieser Schwelle bei der Mietanpassung außer Betracht. Der neue § 557b Absatz 4 BGB regelt diesen Deckel. Die starre Grenze von 3,5 Prozent aus dem Referentenentwurf ist damit vom Tisch. Weitere Rechenbeispiele stehen in unserem Artikel zu Mietpreisbremse 2029, Kappungsgrenze und Indexmiete-Deckel.

Wichtige Eckpunkte:

Beispiel: Der Verbraucherpreisindex steigt um 4,8 Prozent in einem Jahr. Die 1,8 Prozentpunkte über der Schwelle zählen nur zur Hälfte, also 0,9 Punkte. Du darfst Deine Indexmiete in einem ausgewiesenen Gebiet damit um 3,9 Prozent erhöhen. Bei einer Ausgangsmiete von 900 Euro sind das 35,10 Euro statt 43,20 Euro.

2. Möblierungszuschlag muss separat ausgewiesen werden

Möblierte Vermietung war lange ein beliebter Hebel, um die Mietpreisbremse rechnerisch zu umgehen. Eine pauschale Miete inklusive Möbel ließ kaum nachvollziehen, welcher Anteil auf die Wohnung selbst und welcher auf die Einrichtung entfiel. Damit ist bald Schluss.

Die neuen Regeln

Praktisch heißt das: Wer möbliert vermietet, sollte spätestens bei der nächsten Vertragsunterzeichnung eine saubere Aufstellung vorbereiten, was zur Möblierung gehört, welchen Zeitwert die einzelnen Stücke haben und wie sich daraus der Zuschlag rechnet.

3. Kurzzeitmietverträge auf sechs Monate begrenzt

Bisher waren befristete Mietverträge mit Bezug auf einen besonderen Anlass (zum Beispiel berufliche Befristung) ein flexibler Weg, möbliert und außerhalb der Mietpreisbremse zu vermieten. Die Reform setzt hier eine harte Grenze.

Was geplant ist

Wer regelmäßig Wohnungen möbliert und befristet vermietet (etwa an Pendler, Projektmitarbeiter oder Wochenendnutzer), sollte die eigene Strategie überdenken. Längere Vertragslaufzeiten unter Umgehung der Mietpreisbremse werden mit der Reform deutlich schwieriger.

4. Schonfristzahlung gilt jetzt auch bei ordentlicher Kündigung

Eine der wichtigsten Änderungen für die tägliche Praxis betrifft Mietrückstände. Bisher konnten Mieter eine fristlose Kündigung wegen ausstehender Mieten innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Räumungsklage durch Nachzahlung abwenden. Bei einer parallel ausgesprochenen ordentlichen Kündigung half die Nachzahlung dagegen nicht. Genau diese Lücke wird geschlossen.

So funktioniert die neue Regelung

Für Vermieter heißt das in der Praxis: Eine Räumungsklage wegen Mietrückständen kann künftig öfter ohne Erfolg bleiben, wenn der Mieter rechtzeitig nachzahlt. Umso wichtiger werden saubere Forderungsverläufe und ein professionelles Mahnwesen.

5. Modernisierungsumlage: Wertgrenze steigt auf 20.000 Euro

Die einzige Änderung der Reform, die klar zugunsten der Vermieter geht. Das vereinfachte Verfahren für die Modernisierungsumlage nach § 559c BGB wird attraktiver.

Bisher und neu im Vergleich

Die unverändert geltende Umlagequote von 8 Prozent pro Jahr und die Kappungsgrenze von 3 Euro pro Quadratmeter in sechs Jahren bleiben bestehen. Wer mehrere kleinere Modernisierungen im Portfolio hat, gewinnt mit der höheren Wertgrenze deutlich an Flexibilität, etwa beim Heizungstausch, Fenstertausch oder energetischen Einzelmaßnahmen.

Wie ist der aktuelle Stand des Verfahrens?

Wichtig zu wissen: Stand 25. September 2026 ist nichts davon in Kraft. Die Bundesregierung hat den Entwurf am 1. Juli 2026 als Drucksache 21/6807 in den Bundestag eingebracht, die erste Lesung war am 9. Juli 2026. Der Rechtsausschuss hat für den 14. Oktober 2026 eine öffentliche Anhörung angesetzt. Zweite und dritte Lesung stehen noch aus, einzelne Regelungen können sich bis dahin ändern.

Ein Datum für das Inkrafttreten gibt es noch nicht. Der Entwurf sieht zwei Stufen vor: Die Regeln zu Kurzzeitmietverträgen und zum Möblierungszuschlag gelten ab dem ersten Tag des vierten Monats nach der Verkündung. Alles andere, also Indexmieten-Deckel, Schonfristzahlung und Modernisierungsumlage, gilt ab dem Tag nach der Verkündung. Die Eckpunkte fasst auch die Pressemitteilung des Bundesjustizministeriums zusammen.

Was Du als Vermieter jetzt prüfen solltest

Auch wenn die Reform noch nicht gilt, lohnt es sich, die eigenen Verträge schon jetzt durchzugehen. So bist Du vorbereitet, sobald das Gesetz in Kraft tritt.

Konkrete Checkliste:

Was die Reform für ViVi bedeutet: Ideen und Roadmap

Wir bauen ViVi bewusst nah an der Realität privater Vermieter. Wenn sich Rahmenbedingungen verändern, schauen wir uns sehr genau an, an welchen Stellen wir die Plattform weiterdenken müssen. Hier ein offener Blick darauf, was bereits funktioniert und welche Ideen die Miete-II-Reform bei uns ausgelöst hat:

Schon heute in ViVi verfügbar

Ideen, die wir gerade durchdenken

Welche dieser Ideen am dringendsten gebraucht wird, entscheiden wir nicht allein am Schreibtisch. Wenn Du Wünsche oder Prioritäten hast, schreib uns gerne. Genau diese Rückmeldungen prägen, wie ViVi sich weiterentwickelt.

Fazit: Vorbereitet sein, bevor es ernst wird

Die Mietrechtsreform 2026 verschiebt das Gleichgewicht zwischen Mieter- und Vermieterinteressen weiter in Richtung Mieterschutz. Vier von fünf Kernregelungen schränken den Spielraum bei der Mietgestaltung ein, nur die Modernisierungsumlage wird für Vermieter einfacher.

Wer sein Portfolio sauber dokumentiert, mit Augenmaß kalkuliert und frühzeitig auf strukturelle Veränderungen reagiert, kommt gut durch die Reform. Entscheidend ist, dass Du nicht abwartest, bis das Gesetz beschlossen ist, sondern Deine Verträge und Prozesse schon jetzt durchgehst.

Die nächsten Monate werden zeigen, welche Details des Entwurfs sich im Bundestag noch verändern. Sobald die endgültige Fassung steht, fassen wir die finalen Regelungen für Dich zusammen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Für Deinen konkreten Fall empfehlen wir, einen Fachanwalt für Mietrecht zu konsultieren. Stand der Informationen: 25. September 2026.

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Andreas Schreiter

Andreas Schreiter

Gründer und Geschäftsführer bei ViVi

Andreas arbeitet seit über 8 Jahren im Tech-Bereich und ist Experte für Digitalisierung mit KI. Als selbst aktiver Immobilieninvestor kennt er die Herausforderungen der Branche aus erster Hand und treibt die Innovation in der Immobilienverwaltung voran.

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